Hallo

Ich bin Evelyne Schleich und wohne im Kanton Graubünden in der Bündner – Herrschaft.

Schon sehr früh erlernte ich von meiner Grossmutter das Stricken. Ich weiss noch heute genau was es war, nämlich ein hellblauer Topflappen. Als meine Grossmutter Jahre später verstarb und wir ihr Haus leerräumen mussten, kam das Ding doch tatsächlich wieder zum Vorschein. Mit Trauer im Herzen und einem Lächeln im Gesicht konnte ich mich darüber köstlich amüssieren. Denn damals, als ich klein war, war dieses Kunststück mein ganzer Stolz. Nach den vielen Jahren danach, prässentierte sich das Ding mit etlichen Fehlern und Löchern und war ziemlich aus der ursprünglichen Form geraten. Dies war der Beginn meines Lebens mit voller Begeisterung für alles, was man mit seinen Händen selber produzieren konnte.

Meine Mutter sass mehr oder weniger auch hinter der Nähmaschine oder den Stricknadeln. Logisch, dass da keine Wollresten oder Stoffe mehr sicher vor mir waren. Ich weiss nicht, wie sehr ich meine Mutter wohl genervt habe, mit meinen Fragen und Handarbeitsversuchen.

Was ich aber weiss,  dass ich es gar nicht nett fand, dass meine beiden älteren Schwestern in der Schule in den Handarbeitsuntericht durften und ich  nicht.
Kurz entschlossen setzte ich mich jeweils so lange vor das Klassenzimmer, bis die Handarbeitslehrerin sich meiner erbarmte und ich ins Zimmer geschmuggelt wurde.
Beim offiziellen Besuch des Handarbeitsunterrichtes wurde es dann etwas schwieriger.
Nicht etwa für mich, nein, die arme Lehrerin dachte, sie könnte mir sagen, was ich wie zu machen hätte.
Ich dachte aber, ich wüsste es besser und ging meinen eigenen Weg. So kam es, dass sich dann ab und zu eine Strafarbeit zwischen mein Hobby drängte. Was ich jedoch mit dem Werfen der Strumpfkugel (Holzkugel die früher zum Löcher stopfen bei Socken verwendet wurde ) kompensieren konnte.

Nun ja, ich wurde älter und wollte Schneiderin werden.
„Du bist zu dumm dazu“ belehrte mich damals mein Lehrer, was mir mein Selbstwertgefühl ziemlich rapide zerstörte.

Ich gebar im Laufe meines Lebens dann drei wunderbare Söhne, welche zu ihrem Leid mit Wollsachen und selbst genähten Kleidern überhäuft wurden.
Zu Wolle, Stoffen und Co gesellten sich mit den Jahren auch die Freude an Holz und anderen zu verwertenden Materialien.
Egal was, ich liebe alle Arten der Handarbeiten und es vergehen wenige Tage, an denen ich nichts dergleichen tue.

Ich erlernte später den Beruf der Fachfrau Gesundheit und arbeite in einem Spital bei uns in der Region.
Nebenbei bleibt mir aber genügend Zeit ( die stehle ich mir ;-) ) um meinem Hobby nach zu gehen. Da ich aber unmöglich alles selber behalten kann, was ich mache und meine Verwandschaft auch genügend Material ausgestattet ist, wälte ich diesen Weg. Und wer weiss, manchmal entstehen Dinge, an die man gar nicht mehr geglaubt hat………..und tatsächlich, seit dem Frühling 2020 haben meine Nichte und ich mitten im Dorfkern von Malans unser Nähatelier eröffnet.

Herzlichst

Evelyne Schleich